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3D - Artikel und Beiträge zur Stereoskopie



Visuelles Erzählen im stereoskopischen Film
Mai 2012
von H.Tauer

Möchte man einen Film beurteilen, stellen sich immer die gleichen Fragen. Ist die Geschichte interessant? Sind die Bilder angemessen und glaubhaft? Sind die Darsteller überzeugend? Letztlich lebt ein Film von seiner Dramaturgie. Sie muss spannend sein und zugleich die Konventionen beachten, die der Zuschauer kennt und versteht. Mithilfe der Stereoskopie ist es möglich die Dramaturgie eines Films zu unterstützen.

Stereoskopische Dramaturgie

Im Wesentlichen lassen sich zwei Dinge unterscheiden. Erstens der Einsatz des 3D-Effektes. Hier wird bewusst in einzelnen Schlüsseleinstellungen mit dem Effekt des aus der Leinwand heraustretenden Objektes gespielt (Pop-Out-Effekt oder Out-of-Screen-Effekt). Zweitens kann Stereo-3D im Verlaufe des Films stärker und schwächer werden und damit begleitend mit anderen Stilmitteln gemeinsam der Dramaturgie dienen. Von dieser Variante wird bisher noch nicht viel Gebrauch gemacht.

Der Grund dafür liegt vor allem darin, dass universell gültige S3D-Absprachen zwischen Filmemacher und Publikum noch nicht entwickelt oder umgesetzt sind. Anders gesagt: es fehlt noch eine gültige 3D-Konvention, eine Lesart, nach der ein Zuschauer bestimmte Bilder interpretieren kann. Ein Beispiel einer klassischen Filmkonvention: "Die Nacht ist immer blau".


Umsetzung von S3D Konventionen

Die Entwicklung solcher Konventionen für S3D erweist sich als Problem, weil bisher noch nicht die erhoffte große Menge echter Stereo-3D Produktionen den Weg ins Kino gefunden hat. Es gibt noch einen weiteren Grund, weshalb sich die Einführung von S3D Konventionen als schwierig herausstellt. Und das ist die 3D-Empfindlichkeit der Zuschauer. Die Tiefenwirkung von stereoskopischem 3D kann nämlich besonders in stark ausgeprägter Form bei vielen Rezipienten kontraproduktiv sein.

Man muss wissen, dass sich die Empfindlichkeit hinsichtlich einer Überforderung des 3D-Sehens beim Publikum sehr stark unterscheidet. Das ist auch eine der Hauptursachen für die Tendenz der letzten Jahre, ganze 3D-Filme eher flach zu halten. Nur dadurch kann man einen 3D-Film für die breite Masse produzieren. Allerdings provoziert man dabei natürlich auch Kritik bei echten 3D-Enthusiasten. Und das völlig zu Recht.


3D-Film - flach oder tief

Was für den Produzenten unter dem Strich zählt, ist der finanzielle Erfolg und daher werden zahlreiche Blockbuster nachkonvertiert (in 2D gedreht und danach in S3D umgerechnet). Das muss möglichst schnell gehen und der Aufwand soll überschaubar bleiben. Was in den meisten Fällen dabei herauskommt sind weniger 3D-Filme als eher Pappfiguren-Theater. Das ist offensichtlich nicht gerade hilfreich, um Stereo-3D im Film als allgemeingültiges Stilmittel zu etablieren.

In den meisten 3D-Kinofilmen der vergangenen Jahre wurde die Stereoskopie aber auch vorrangig als Verkaufsargument und zur Profitsteigerung eingesetzt. Eine übergreifende Terminologie der Verwendung von dramaturgischer Raumtiefe steht noch aus. Allerdings gibt es bereits etliche Vorschläge, Versuche und Studien zu diesem spannenden Thema.






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