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3D - Artikel und Beiträge zur Stereoskopie



Warum die Evolution des Films nicht zu 3D führt
April 2012

von H.Tauer

Wer von der Evolution des Films spricht und sich die Filmhistorie anschaut, der wird schnell auf die großen Meilensteine stoßen. Tonfilm und Farbfilm sind die wichtigsten, aber auch das Fernsehen ist zu nennen, sowie die Umstellung auf Breitbild, auf High Definition und zuletzt die Digitalisierung. Wo steht nun Stereo-3D?

Die Umstellung auf 3D wird oft mit der Umstellung auf den Tonfilm und auch auf den Farbfilm verglichen. Jedoch ist dieser Vergleich nur bedingt gerechtfertigt. Die Wahrnehmung von Ton und Farbe ist für den Menschen tatsächlich von großer Bedeutung, denn ohne Farbsehen und ohne Hörsinn ist die Orientierung in der Umwelt ungleich schwerer.
Das stereoskopische 3D-Sehen ist in seiner Wichtigkeit etwas dahinter anzusiedeln. Es gibt viele Menschen mit schlechtem stereoskopischem Sehen, die sich dessen gar nicht bewusst sind, denn mangelndes Stereo-Sehen lässt sich relativ gut kompensieren. Manche Menschen merken es sogar erst dann, wenn sie zum ersten Mal einen 3D-Film im Kino ansehen wollen.

Der Mensch und Stereo-3D

Erwiesenermaßen ist stereoskopisches Sehen äußerst subjektiv. Die Fähigkeit und die Qualität des 3D-Sehens hängt von einer ganzen Reihe an Faktoren ab.


Alter

Die Stereo-Sehfähigkeit hängt sehr stark vom Alter ab. Sehr junge Menschen sind beim 3D-Sehen wesentlich flexibler. Augen und Sehapparat sind, wie alles andere auch, bei jungen Menschen noch in der Entwicklung und deshalb flexibler und lernfähiger. Bei Erwachsenen ist die Entwicklung und Prägung abgeschlossen und damit sind sie weniger tolerant gegenüber starken Augenkonvergenzen. Im hohen Alter kommt die zunehmende Schwächung der Augenmuskulatur hinzu.


Training

Ein wichtiger Aspekt ist die persönliche Entwicklung eines jeden Menschen. Wer seine ganze Kindheit vor dem (2D) Fernsehbildschirm verbringt, wird sein 3D-Sehen nicht so stark ausprägen können wie Kinder, die viel Basteln oder handwerklich tätig sind. Denn genau bei solchen Fertigkeitsübungen im Nahbereich wird das Stereo-Sehen trainiert. Auch in fortgeschrittenem Alter ist es noch möglich seine 3D-Sehfähigkeit durch Training zu verbessern.


Physiologie

Ein weiterer Punkt ist die physiologische Verfassung eines jeden Menschen. Wenn eine Person beispielsweise ein sehr schwaches und ein sehr starkes Auge hat, wird das starke Auge vom Gehirn deutlich übergewichtet. Das geschieht unbewusst, aber die Stereosehfähigkeit wird dadurch beeinträchtigt. Fast bei allen Menschen sind die beiden Augen nicht exakt gleich stark. Allerdings fallen kleinere Unterschiede nicht zu sehr ins Gewicht.


Psychologie

Die Verarbeitung der Signale im Hirn spielt für S3D eine bedeutende Rolle. Im Sehzentrum gibt es verschiedene Areale, auch für die Auswertung der Räumlichkeit mittels Stereoskopie. Vorhanden sind die entsprechenden Areale bei jedem Menschen, aber die Ausprägung und der Stellenwert ist höchst unterschiedlich. Wenn die Hirn-Bereiche für den Faktor Stereoskopie nicht richtig aktiv sind, nützen auch zwei starke und gesunde Augen nichts - die Welt bleibt dann tendenziell monoskopisch.


Wie es um die 3D-Sehfähigkeit einer Person nun tatsächlich bestellt ist, darüber gibt ein objektiver 3D-Sehtest beim Augenarzt Auskunft.




S3D zur Gewohnheit

Selbst wenn jemand ein hervorragendes 3D-Sehen hat, bleibt der räumliche Eindruck subjektiv. Jeder der schon mehrere 3D-Filme gesehen hat wird feststellen, dass der Raumeindruck beim ersten 3D-Film viel intensiver war als bei den späteren Filmen. Das liegt an einem weiteren wichtigen Faktor - der Gewöhnung.

Die Sache ist im Prinzip einfach: wer viele 3D-Filme gesehen hat, stumpft irgendwann ab. Man gewöhnt sich eben dran. Das ist nicht anders als bei Farbe und Ton und überhaupt allen Dingen im Leben. Anfang der 1930er Jahre war ein echter Farbfilm eine Sensation und man war fasziniert davon. Heute ist daran nichts Besonderes zu finden, dagegen ist ein Schwarzweiß-Film inzwischen eine Sensation, siehe "Schindlers Liste" oder auch "Sin City". Sensationell ist, was aus der Masse heraus sticht. Oder anders gesagt: Unter mehreren S3D-Filmen sticht S3D nicht mehr heraus.


Farbe und Ton und S3D

Ton war auch beim Stummfilm schon immer dabei, meist in Form einer musikalischen Begleitung und eines Erklärers. Und auch die Farbe gab es bereits in Zeiten des Schwarzweiß-Films, denn diese wurden oft aufwendig handkoloriert. Man wollte also schon immer Farbe und man wollte auch den Ton.

Nichtsdestotrotz, wenn es Menschen im Publikum gegeben hätte, denen durch Farbe oder Ton unwohl geworden wäre, die ein Ziehen, eine Überanstrengung oder sogar leichte Schmerzen und Übelkeit empfunden hätten, dann wäre diese Umstellung nicht so einfach gekommen. Und genau das ist das Problem des 3D-Films.


Das Problem mit den 3D-Brillen

Hinzu kommen natürlich noch die oft genannten Nachteile der 3D-Brillen, die bei stereoskopischen Filmen getragen werden müssen. Autostereoskopische (brillenlose) Systeme wurden zwar schon deutlich verbessert, von einer Massenkompatibilität sind diese aber noch weit entfernt. Und selbst wenn es in ferner Zukunft ein funktionierendes Autostereo-3D-Kino gäbe, bleibt das Problem bestehen, dass nicht alle Menschen S3D sehen möchten oder können, anders als bei Farbe oder Ton.


Die Evolution des Films

Die Umstellung von Stumm- auf Tonfilm und die Umstellung von S/W- auf Farbfilm waren tatsächlich evolutionäre Schritte. Die Umstellung von 4:3 auf 16:9 und die Umstellung von SD auf HD waren weniger evolutionär aber dennoch wichtig, dauerhaft und nachhaltig. Die Umstellung von 2D auf S3D wird nichts von alledem sein, weil das 3D-Sehen bei den Menschen so unterschiedlich stark ausgeprägt ist und der Bedarf bei der breiten Masse nicht über den gelegentlichen Effekt hinausgeht.

Aber wir Menschen haben nun einmal die tolle Möglichkeit des Stereo-Sehens und auch in Zukunft wird man in der Unterhaltung gern davon Gebrauch machen, wenn auch nicht permanent. Vermutlich wird sich der 3D-Film daher in einer Art Nische bewegen. In einer Nische allerdings, die schon jetzt wesentlich größer ist als bisher und die sicherlich noch ein ganzes Stück wachsen kann.




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