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3D - Artikel und Beiträge zur Stereoskopie



Die Zukunft des 3D Films
Juli 2012

von H.Tauer

S3D gibt es schon seit fast 200 Jahren, ohne dass es je einen "nachhaltigen Durchbruch" gegeben hat. Während der Entwicklung von Fotografie und Film hat S3D immer parallel existiert. Dabei war es nie die Weiterentwicklung, sondern eher eine Facette. Eine Facette die mal mehr und mal weniger Bedeutung hatte.

Im 19. Jahrhundert waren Stereobetrachter (Apparate zum Betrachten von 3D-Bildern) sehr weit verbreitet. Damals hätte kaum jemand geglaubt, dass dieser Trend nur von begrenzter Dauer sein würde. Später gab es die Kaiserpanoramen (große Stereo-Betrachter für mehrere Personen). Auch sie waren äußerst populär und fanden sich in ganz Europa. Aber eben nur für eine bestimmte Zeit.
Viel später, während des 3D-Booms in den USA zu Beginn der 50er Jahre, glaubten viele Leute, das Ende des herkömmlichen zweidimensionalen Films wäre eingeläutet. Doch das war nicht der Fall und auch heute mit besserer Technik und hoch entwickelten Digitalverfahren wird es wohl nicht anders sein.
Die Vergangenheit zeigt uns die Zukunft

Visionäre wie James Cameron predigen nach wie vor den 3D-Durchbruch auf breiter Front. Das erscheint verständlich, denn wichtige Produzenten haben enorm viel Geld in ihre Projekte investiert und brauchen natürlich auch den Erfolg. Avatar 3D war sogar ein Riesenerfolg - und das aus zwei Gründen.

Erstens war die Story massenkompatibel und dramaturgisch perfekt umgesetzt (unabhängig von S3D) und zweitens war die 3D-Qualität sehr hoch und reizte die technischen und gestalterischen Möglichkeiten der Stereoskopie bis zum Letzten aus. Mit diesem gut gemachten 3D-Action Feuerwerk konnte Cameron die breite Masse des Kinopublikums regelrecht überrumpeln, denn so etwas hatte der normale Kinogänger (und selbst die meisten 3D-Fans) nicht erwartet.

In den 90er Jahren hatte Steven Spielberg mit "Jurassic Park" einen ähnlichen Erfolg, weil er mit modernster Computeranimation Bilder erzeugen ließ, die kein normaler Mensch für möglich hielt - und das bei einer gleichzeitig spannenden Geschichte. Bei Avatar 2 wird die Messlatte schon wesentlich höher liegen und es wird ungleich schwerer, die inzwischen sehr hohen Erwartungen auch zu befriedigen.


3D-Filme und das Publikum

3D-Filme mit jeder Menge 3D-Effekten und großer Tiefenausdehnung sind nicht wirklich massenkompatibel, denn auch wenn einige Zuschauer bei solchen Filmen vor Freude jauchzen, gibt es gleichzeitig immer viele Zuschauer, die über ein Ziehen in den Augen klagen. Die Empfindlichkeit hinsichtlich einer Überforderung des 3D-Sehens unterscheidet sich beim Publikum sehr stark. Massenkompatibel heißt daher - die Tiefe nur anzudeuten, so wie bei den zahlreichen 2D-3D-konvertierten Filmen. Allerdings steht dann auch wieder die Frage, ob und wozu man S3D überhaupt braucht.

Sinnvoll ist es daher tatsächlich, dass man 3D-Filme auch künftig immer in beiden Versionen ins Kino bringt, also in 2D und Stereo-3D. Die Besucher können dann wählen und sicher wird es Filme geben, bei denen die S3D Version "die Bessere" ist und bei anderen Filmen wird man sagen, dass es reicht den Film in 2D zu sehen. Die Wahl trifft der Zuschauer. Das Gleiche gilt für zu Hause. 3D-Fernseher sind toll, solange das S3D als umschaltbare Zusatzfunktion daherkommt. Ein Fernseher, der ausschließlich S3D kann (und dazu beispielsweise 2D Inhalte live umrechnet), wird keinen Einzug ins Wohnzimmer finden, selbst dann nicht wenn er autostereoskopisch ist.





Warum werden nur vereinzelt Filme in S3D gedreht?

Die meisten Filme werden nach wie vor in normaler 2D Technik produziert. Die Umstellung von analog auf digital ist in der Filmindustrie ein wichtigeres Thema als Stereo-3D. Dafür hat S3D allerdings etwas mehr Exotik. 3D-Filme werden natürlich weiterhin produziert, trotz des größeren Aufwands und trotz der höheren Kosten. Dafür gibt es verschiedene Gründe.


Höhere Preise für ein 3D-Film-Ticket
Derzeit lässt sich bei größeren Hollywood-Produktionen beobachten, dass S3D vor allem aus kommerziellen Gründen eingesetzt wird. Man begreift es als Trend, der im Augenblick höhere Einnahmen an der Kinokasse bringt. Übrigens: Kinotickets für einen 3D-Film sind zwar teurer, aber die Kinos selbst haben auch höhere Ausgaben für die 3D-Projektionstechnik.


S3D als Gestaltungsmittel
Dann gibt es die ambitionierten Filme, bei denen Stereo-3D als Stilmittel verwendet wird und eine erweiterte Erzählweise erzielt werden soll. Meist sind die Macher dieser Filmprojekte selbst eingefleischte 3D-Fans und nicht selten werden solche Projekte nur wegen des S3D an sich hergestellt. Das heißt, zuerst steht dann der Entschluss einen 3D-Film zu machen und erst danach kommt die Story.


Der 3D-Effekt
Zudem gibt es die Filme, bei denen es vorwiegend um den 3D-Effekt geht, beispielsweise bei Motion-Rides und anderen special venues. Hier ist die Stereoskopie eine Art Jahrmarkts-Attraktion, was aber nicht negativ gemeint ist. Vielmehr zeigt das die vielen Facetten von Stereo-3D.


Mehr Publikum durch S3D
Es gibt viele Filme die aufgrund ihrer Thematik oder Genres einen eher eingeschränkten Kreis von Zuschauern haben. Mancher Filmemacher versucht über den Faktor S3D sein Publikum zu vergrößern, indem auch Leute den Film besuchen, die ihn als 2D-Version nicht sehen würden.


3D-Film und sein Mehrwert
Besonders im Bereich von Wissenschaft und Forschung, aber auch in der Industrie und Technik werden 3D-Filme benutzt um bestimmte Objekte oder Vorgänge besser visualisieren zu können und Zusammenhänge zu erkennen, die man in 2D nur schlecht sieht. Formen, Oberflächen und Tiefenverhältnisse lassen sich mit Stereo-3D gut wiedergeben und analysieren. Daher wird S3D nicht nur in der Visualisierung, sondern auch in der Steuerung und Automation eingesetzt.


3D-Film als Eyecatcher
Imagefilme sind für große Unternehmen ein wichtiges Aushängeschild. Genauso wichtig sind Werbefilme für bestimmte Produkte oder Dienstleistungen. Weil der Absatzmarkt oft hart umkämpft ist, braucht man etwas, um sich von der Konkurrenz abzuheben - einen Blickfang also. Was bietet sich da besser an als S3D? Für Industrie- und Werbefilme nutzen Unternehmen zunehmend den PR-Effekt von S3D und präsentieren sich immer häufiger mit stereoskopischen Filmen auf Messen und Ausstellungen.


Gehört nun Stereo-3D die Zukunft?

Eine komplette Umstellung von 2D auf S3D kann es auf absehbare Zeit nicht geben. Es handelt sich nicht um eine Evolutionsstufe wie beim Tonfilm oder Farbfilm. Dafür gibt es zu viele Menschen, die von 3D-Filmen visuell überfordert werden. Es klingt verrückt, aber mittlerweile existieren sogar schon "2D-Brillen", für 3D-empfindliche Zuschauer, die den Film doch lieber in 2D sehen wollen. Fest steht, dass 3D-Filme auch künftig immer parallel zur 2D Version angeboten werden.

Eine Zukunft, in der Filme ausschließlich in S3D gedreht werden, gibt es nur, wenn die Produktion eines 3D-Films keine nennenswert höheren Kosten und keinen größeren Aufwand verursacht als ein 2D Film. Jeder 3D-Film beinhaltet ja automatisch auch eine 2D-Version. Doch bis es so weit ist, wird wohl noch sehr viel Wasser den Rhein herunter fließen.





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